Ein Wegweiser durch Citrix Projekte
Von Johannes Norz, Citrix Trainer

[Einleitung] [Hauptprobleme]
[Der Stufenplan] [Checkliste]
Ich habe im Laufe der letzten Jahre einige Citrix Projekte beobachtet, teils
als unbeteiligter, indem ich Administratoren trainierte, teils als Experte im
Trouble Shooting, und natürlich als ausführender Projektleiter. Viele der
Projekte liefen, nach meiner Meinung, nicht optimal. Die häufigste Ursache waren
Fehler in der Projektplanung, praktisch alle Fehler sind bereits gemacht worden,
lange vor die erste SetupCD in die Hand genommen wurde.
Wichtig für eine erfolgreiche Implementierung ist eine strukturierte
Vorgangsweise. Ich versuche, meine Erfahrungen in diese Checkliste eingehen zu
lassen. Citrix bietet einiges an Orientierungshilfen, insbesondere den E-
Learning Kurs CTX-6105AW sowie die gesamte CCIA Ausbildung. Leider erweist
erscheint diese Vorgehensweise, oft zu Unrecht, im Vorfeld als etwas zu
anspruchsvoll für kleine Projekte.

Folgende Hauptprobleme (häufigsten Implementierungsfehler) treten bei
Citrixprojekten immer wieder auf:
- Benutzer, die sich für Citrix schlecht eignen, sind die wichtigsten
Hauptbenutzer
- Die Citrix Server sind geographisch nahe an den Benutzern und weit von den
Daten entfernt
- Citrix Projekte werden häufig zu klein dimensioniert begonnen
- Es werden die falschen Citrix Produktversionen gekauft
- Es werden die falschen Clients gekauft
- Die Einschätzungen bezüglich der benötigten WAN- Ressourcen sind
grundsätzlich falsch.

Ein erfolgreiches Citrix Projekt besteht aus folgenden Stufen:

In der Designphase müssen folgende Fragen gestellt und Antworten gefunden
werden:
[Stufenplan?] [Home]
In der Implementierungsfase wird das Design der Citrix Umgebung vorgenommen
- Welche Produktversion soll zum Einsatz kommen? Spätere Wechsel der
Produktversion sind verhältnismäßig teuer.
- Die Standard Version unterstützt keine Lastverteilung, es entsteht ein
single Point of failour
-
Die Advanced Version würde ich immer dann verwenden, wenn (auch
mittelfristig) mehr als ein Server zum Einsatz kommen soll
-
Die Enterprise Version rechtfertigt ihren Preis vor allem in
Rechenzentren. Exakte Auswertungen, komplexes Billing, automatisierte
Software Installation, verteilte Serverumgebungen sind einige der Vorteile
- Welche Datenbank soll das zentrale Datastore halten? In Frage kommen
- Desktopdatenbanken wie Access oder MSDE. Weil Desktop Datenbanken nur
von einem Server aus erreichbar sind, entsteht ein Single Point of Failour,,
was natürlich möglichst vermieden werden sollte.
- Oracle, DB2 oder SQL- Server. Falls es technisch- organisatorisch
möglich ist, ziehe ich professionelle Datenbanken auch in kleineren
Implementierungen vor. Ab 5-10 Servern würde ich nur noch professionelle
Datenbanken einsetzen.
- Wie werden die Server aufgesetzt (Image, Scripte, manuell)? Die Server
sollten alle exakt gleich sein, damit die Benutzer keine Unterschiede
bemerken, nicht verwirrt werden. Die Image Methode ist mein persönlicher
Favorit, weil sie ein einfaches und rasches Neuaufsetzen nach einem Crash
ermöglicht!
- Welche und wie viele Server werden benötigt? Ich ziehe Dual Prozessor PCs
vor, weil einzelne abgestürzte Prozesse nicht eine ganze Maschine lahm legen
können. Essentiell wichtig beim Server ist genügend RAM, wobei der exakte RAM-
Bedarf nur durch Tests bestimmt werden kann.
Das Plattensystem sollte möglichst schnell sein und, falls möglich, über einen
Cachekontroller verfügen. Die Auslagerungsdatei sollte bereits beim Aufsetzen
auf die korrekte Größe gebracht werden, damit sie später nicht fragmentiert!
- Wie wird die Testumgebung aussehen? Ein Citrix Administrator benötigt
unbedingt eine Testumgebung.
- Wird es einen internen Webserver geben?
- Wie wird der Zugang von außen funktionieren?
- Zugänge über VPNs sind oft teuer, insbesondere, wenn dazu die Firewall
getauscht werden muß. Die Sicherheit der Umgebung leidet gegebenenfalls
dadurch, daß Maschinen, deren Virenscanner sich der Kontrolle durch die EDV-
Abteilung entziehen, zu "internen" Maschinen werden
- Citrix Secure Gateway ermöglicht einen weitgehend sicheren und einfachen
Zugang ausschließlich via HTTPS (Port 443) auf ausschließlich Citrix
Sitzungen und Webservices. Allerdings benötig man dazu eine Maschine, die
möglichst in der DMZ stehen sollte
- Wie sollen die Anwendungen zur Verfügung gestellt werden? In einem
Desktop, oder sollen sie wie lokale Anwendungen vom lokalen Client aus
aufgerufen werden?
- Welche Clients sollen eingesetzt werden? Bestehende PCs oder sollen neue
angeschafft werden? Wenn neue angeschafft werden sollen, kommen Thinclients,
zum Beispiel Neoware, in Frage?
- Welche Clienttype, Program Neighbourhood Agent, Program Neighbourhood oder
Webclient? Jede der drei Clienttypen hat Vorteile.
- Der Program Neighbourhood Agent fügt sich absolut nahtlos in bestehende
Desktop Umgebungen ein. Auf Wunsch können Daten, statt mit lokal
installierten Anwendungen, mit gepublishten Applikationen geöffnet werden.
Allerdings benötigt er einen "Webserver", häufig kommt ein Fileserver (Linux
oder Windows) oder Domänenkontroller zur Anwendung. Dieser Client läßt sich
hervorragend zentral über den Webserver verwalten. Der Agent kann auch von
Außen über Citrix Secure Gateway zugreifen.
-
Den Program Neighbourhood Client verwende ich eigentlich nur
in Ausnahmefällen. Er benötigt Einschulung der Benutzer und ist nur begrenzt
administrierbar. Viele Features sind nicht verfügbar (Inhaltsumleitung,
Zonenpräferenz etc.). Allerdings benötigt er keinen Webserver.
-
Der Webclient ist erste Wahl beim Zugriff über das
Webinterface. Er ist verhältnismäßig klein und einfach zu installieren,
bietet aber einen Großteil der Funktionalität.
- Wie sieht die Netzwerk- Infrastruktur aus? Folgende Probleme treten auf:
(sortiert nach Wichtigkeit)
- Latenzzeiten. Pings sollten in LANs niemals länger als 150ms benötigen.
Von WANs spreche ich ab 500ms. Wenn Citrix in Ihren Filialen "langsam" ist,
so ist häufig eine hohe Latenzzeit die Schuld. Latenz ist jene zeit, die
zwischen dem Tippen eines Buchstabens, und dem Erscheinen einer Antwort am
Bildschirm des Benutzers, vergeht. Citrix Clients kennen viele Tricks, die
Latenzprobleme kaschieren. Extreme Latenzprobleme treten in GSM und UMTS
Netzen auf. Die Latenz kann bis 2000ms sein.
- Ungünstige Anwendungen können zeitweise die Bandbreite eines WAN- Links
überlasten. Durch mehr Bandbreite läßt sich das Problem in den seltensten
Fällen lösen, einzig Bandbreitenmanagement mit Tools wie Packetshaper bringt
Abhilfe. Die Häufigsten solchen Anwendungen sind:
- File und Printservices. Druckjobs können einige Megabyte groß werden!
(sollte ausschließlich über Citrix gedruckt werden, so läßt sich die
Bandbreite für Druckjobs limmitieren)
- HTTP und FTP
- Internet Tauschbörsen wie Napster
- Alle Multimediaanwendungen
- Bandbreite ist eher selten ein Problem. Für Citrix ICA Verbindungen
genügen in der Regel unter 64k. Limitiert man die Bandbreite für eine
Sitzung auf 80% der verfügbaren Bandbreite, und die bandbreitenintensiven
Kanäle Audio und Drucken innerhalb der Sitzung auf 80% der
Sitzungsbandbreite, so sollte ein angebundener Remote Standort störungsfrei
arbeiten können
- Werden Zusatztools benötigt?
- Wie sollen die Benutzerprofile abgelegt werden? Werden Homeverzeichnisse
benötigt? Active Directory erlaubt es, eigene Benutzerprofile und
Homeverzeichnisse für Terminalservices einzurichten.
- Welche und wie viele Logon Scripts werden benötigt? Beim Zugriff auf
veröffentlichte Anwendungen ist es wichtig, daß die Scripts schnell ablaufen,
um den Start der Anwendungen schnell zu halten!
[Stufenplan?] [Home]
Eine Testfase soll sicher stellen, daß das sich Setup in der Praxis bewährt.
Weiters sollte festgestellt werden, wie viele Benutzer die Farm tatsächlich
aushält.
- Funktionstest: Es wird kontrolliert, ob alles wie gewünscht funktioniert,
die Logonzeiten akzeptabel und die Benutzerprofile funktionell sind. Diese
Tests werden von der EDV Abteilung durchgeführt.
Primär handelt es sich um Vorversuche, die teilweise noch in die
Projektdesign- Fase gehören.
- Lasttests an der Testumgebung. Wenn die Testumgebung annähernd der
endgültigen Hardware entspricht, kann die Dimensionierung der Hardware
überprüft werden. Lasttests können mittels Scripts, oder von Benutzergruppen
gemacht werden.
Sinn dieser Tests ist, Probleme zu erkennen, bevor endgültige Hard- und
Software gekauft wird.
- Nach dem Aufsetzen des ersten endgültigen Servers wird in einem, auf 2-3
Wochen angesetzten, Pilotversuch (unter ständigem Monitoring der Performance)
echte Arbeit am Server gemacht. In der Regel handelt es sich dabei um 5-10%
der geplanten Benutzer. Schwerpunktmäßig wird dabei kontrolliert, ob das Setup
die Benutzerzufriedenheit sicherstellen kann.
Die Benutzer müssen so gewählt werden, daß sie zwar einerseits mit kürzeren
EDV- Störungen leben können, andererseits aber repräsentative Aussagen machen
können. Es scheint nötig, gerade auch solchen Benutzer zuzuziehen, die
undiszipliniert arbeiten oder möglicher Weise unvorhergesehene Anforderungen
erfüllen müssen.
Sinn dieses Versuches ist es, etwaige Designprobleme zu erkennen, so lange man
noch zurück steigen kann, sowie Erfahrungen zu sammeln.
[Stufenplan?] [Home]
In Folge muß die EDV- Abteilung verschiedene Arbeiten durchführen. Die
wichtigsten sind:
- Benutzersupport
- Überwachung der Performance des Systems und Prognosen über die Grenzen der
Leistungsfähigkeit erstellen.
- Software Updates und Patches einspielen. Dieser Punkt ist der Kritischste.
Es ist zwar so, daß Patches nur an wenigen Maschinen eingespielt werden
müssen, und allen Benutzern helfen, allerdings nur, wenn sie konkret
funktionieren. Machen sie Probleme, so betreffen diese Probleme alle Benutzer.
Um Böse Überraschungen zu vermeiden sollten Updates an wichtigen Komponenten
erst an Testservern probiert und in Pilotversuchen ausgerollt werden!
- Trouble Shooting an Datenbank und Terminalservern, hinzufügen weiterer
Server zur Farm etc.

Die Checkliste gibt es nur gegen telefonische Rücksprache: +43 660 6679001.
Bitte um Verständnis, da steckt sehr viel Arbeit drinnen!